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Streik der Erntearbeiter_innen in Bornheim

Streik der Erntearbeiter_innen in Bornheim

deutsch

|

2 min

| 2020 |

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Am 15. Mai 2020, begann auf einem Spargel- und Erdbeerhof in Bornheim bei Bonn ein wilder Streik von rumänischen Erntearbeiter_innen. Am frühen Morgen hatte sich etwa die Hälfte der dort beschäftigten 240 Arbeiter_innen, die zum größten Teil aus Rumänien kamen, geweigert, die ausrangierten Linienbusse zu besteigen, mit denen sie normalerweise von ihrer Unterkunft in einem Containercamp auf die Felder gefahren werden. Sie protestierten gegen zu geringe Lohnzahlungen, gegen die unmenschliche Unterbringung und das schlechte Essen, und informierten die Lokalpresse.

Mitglieder der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft FAU Bonn nahmen daraufhin Kontakt zu den Streikenden auf und überlegten während des Wochenendes, wie der Protest durch weitere Aktionen in die Öffentlichkeit gebracht werden könnte. Am Montag fand eine große Demonstration mit zahlreichen Unterstützer_innen statt, die von dem Containerlager neben einer Kläranlage zu dem etwa einen Kilometer entfernt gelegenen Betriebshof der Firma Ritter zog.

Am Dienstag folgte eine weitere Demonstration in der Bonner Innenstadt vor dem Büro des Rechtsanwalts, der als Insolvenzverwalter des Betriebs eingesetzt ist und ihn leitet. Anschließend marschierte eine Delegation zum rumänischen Konsulat und am Mittwoch, den 20.5., besuchte tatsächlich die rumänische Arbeitsministerin Violeta Alexandru, die sich wegen der Corona-Gefährdung von rumänischen Arbeiter_innen in der Fleischindustrie gerade in Deutschland aufhielt, die Erntearbeiter_innen in Bornheim. Sie versprach ihnen, sich um die Auszahlung der fehlenden Löhne zu kümmern. Das Konsulat würde auch die Rückreise für diejenigen organisieren, die zurück nach Rumänien wollen, oder denjenigen bei der Arbeitssuche helfen, die auf anderen Höfen in Deutschland weiter arbeiten wollen. Kaum war die Arbeitsministerin abgereist, entwickelten sich neue Konflikte um die Auszahlung und vor allem um den weiteren Aufenthalt in den Unterkünften, bis alle abgereist oder eine andere Arbeit gefunden hatten.

Über 180 Arbeiter_innen haben jetzt zwei Bonner Arbeitsrechtsanwälte damit beauftragt, die Richtigkeit ihrer Abrechnungen zu überprüfen und fehlenden Lohn vor dem Arbeitsgericht einzuklagen. Die Anwälte überlegen auch, ob sie zusätzlich wegen rassistischer Diskriminierung nach dem AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) Klage erheben. Denn während die Menschen aus Rumänien und Polen nur den gesetzlichen Mindestlohn von 9,35 € brutto erhalten, wurden etwa hundert aus Deutschland stammenden Hilfskräften, die in derselben Zeit und auf denselben Feldern zusammen mit den Saisonarbeiter*innen Erdbeeren pflückten, 10,00 € netto vertraglich zugesichert. Wir werden also in den nächsten Wochen und Monaten eine Vielzahl von Prozessen erleben, die weiteres Licht auf die Ausbeutungsverhältnis in der Landwirtschaft werfen können.

(Christian Frings)

Wir zeigen ein Video der Plattform Ruhr vom 18. Mai 2020.

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