Der Staat des Kapitals in Cassina de Pecchi

italienisch mit dt. UT | 11 min | 2014 | hits: 157

"Wenn ich das in meiner Firma machen würde, bin ich einen Tag später verhaftet", sagt der Besitzer eines an die Müllsortierungsanlage DIELLE angrenzenden Unternehmens. Was wir am 23. September in Cassina de Pecchi bei Mailand  erlebt haben, wirft ein Schaglich auf die illegalen, mafiösen Zustände im italienischen Billiglohnsektor, in dem vor allem Migrant_innen beschäftigt sind - und ist ein Beispiel haarsträubender Komplizenschaft zwischen Staat und Arbeitgeber_innen. 

Keine Sicherheitsvorkehrungen, ein Toter und mehrere Verletzte, Hungerlöhne, Lohnraub und respektloses Verhalten haben dazu geführt, dass die Arbeiter der Müllsortierungsanlage DIELLE in Cassina de Pecchi im Großraum Mailand im Mai 2014 in den Streik getreten sind. Eine Woche nach Streikbeginn kündigte die Unternehmensleitung dem Subunternehmen, über das die Arbeiter eingestellt waren und die Arbeiter waren auf der Straße. (Diese Subunternehmen heißen in Italien "Kooperativen", wobei "Kooperativen" in diesem Fall mit der allgemeinen Bedeutung des Wortes nichts mehr zu tun haben, sondern zu Instrumenten geworden sind, um Arbeiter_innen noch effektiver ausbeuten zu können.) Seit vier Monaten protestieren die Arbeiter nun gegen den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Sie blockieren die Tore um zu verhindern, dass die Arbeiter der neuen Kooperative auf das Gelände kommen. Am 23. 9. morgens kam die Polizei, um den Streikbrechern Zugang zur Anlage zu verschaffen. Sie arbeitete dabei direkt mit der Besitzerin des Unternehmens samt Familienangehörigen, dem Chef der neuen "Kooperative", über die die neuen Arbeiter eingestellt sind, zusammen. Einer der Familienangehörigen der Besitzerin hat versucht, uns die Kamera aus der Hand zu schlagen. Zwei Arbeiter wurden wegen angeblichen Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen. Das Gericht hat sie tags drauf wieder freigelassen. Der Prozess ist auf den 3.12.2014 festgesetzt.

team: labournet.tv
Stichworte: cobas