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Zur Verhaftung von SI Cobas Sprecher Aldo Milani

Zur Verhaftung von SI Cobas Sprecher Aldo Milani

Wir veröffentlichen einen Text von Roberto Luzzi vom SI Cobas auf deutsch:

Arbeitgeber, Polizei und Staatsanwalt attackieren SI Cobas Sekretär

Aldo Milani, der Koordinator des SI Cobas, einer kämpferischen italienischen Gewerkschaft, wurde am Donnerstag, 27.1. 2017 verhaftet unter dem Vorwurf der Unterschlagung zum Nachteil der Levoni Group, eines der größten fleischverarbeitenden Unternehmen Modenas, im Norden Italiens. Die Verhaftung ist Teil eines Komplotts um unsere und andere kämpferische Gewerkschaften anzuschwärzen und das Streikrecht anzugreifen. Das Komplott flog nach der Freilassung von Aldo Milani auf, aber nur durch die Ausweitung der Kämpfe der Arbeiter_innen kann diesen Angriff durch die Burgeoisie zurückgeschlagen werden.

Die Story: 

Weder die Entlassung von hunderten an der Basis aktiven Arbeitern, noch Polizeiknüppel gegen Streikposten, noch Anzeigen und Gerichtsverhandlungen gegen Arbeiter_innen und Aktiviste_innen, noch die Kriminalisierung von Streikposten haben ausgereicht, um die Ausbreitung der Organisierung von Arbeiter_innen und der Streiks im Logistiksektor durch SI Cobas und ADL Cobas zu stoppen. Auch das bewährteste Mittel der Arbeitgeber - die Korruption - die bei den Gewerkschaftsdachverbänden CGIL, CISL und UIL normalerweise wirkt, hat nicht die erhofften Erfolge gebracht.

Im letzten Jahr hat der SI Cobas angefangen, Arbeiter_innen in dem Fleischindustrie-Gebiet Modena, dem größten Europas, zu organisieren, wo vor allem eingewanderte Arbeiter arbeiten unter Bedingungen, die noch schlechter sind als die in den Warenlagern, schlechter als in den Schlachthäusern Chicagos im frühen 20. Jahrhundert.

55 SI Cobas Mitglieder, die für die Levoni Group arbeiteten wurden entlassen, nachdem sie getreikt hatten. SI Cobas hat eine Reihe von Streiks in Levoni Fabriken durchgeführt, um die Wiederaufnahme von Entlassenen und die Zahlung von ausstehenden Beiträgen zur Arbeitlosenversicherung durchzusetzen, ohne die sie nicht einmal Arbeitslosengeld beanspruchen können. SI Cobas hat außerdem die Levoni Group auf Zahlung von fast einer Million an ausstehenden Löhnen, Beiträgen und Krankengeld verklagt.

In einer Fabrik des Unternehmens Bellentani (die zur Citterio Gruppe gehört) hat der SI Cobas ein Abkommen erreicht, das die Löhne und Beiträge stark verbessert,  und die Anwendung des Nationalen Tarifvertrages für die Lebensmittelindustrie durchgesetzt, was eine Lohnerhöhung von fast 40% bedeutet.

Um diese Streiks zu brechen und die "Ansteckung" durch dieses Abkommen  zu verhindern, haben die Chefs von Levoni – die wußten, dass sie den SI Cobas nicht kaufen und zähmen können, wie die offiziellen Gewerkschaften, die seit Jahrzehnten beide Augen fest geschlossen halten -  ein Komplott erdacht, um das Ansehen des SI Cobas zu zerstören: sie haben eingewilligt, über die Forderungen zu verhandeln mit Hilfe eines Zwischenhändlers (der zur Unterwelt der Arbeitgeber der sogenannten Kooperativen gehört und der, nachdem er 18 Monate wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis war, auch als Berater für die Levoni Group arbeitet und in weiteren Geschäftsbeziehungen zu ihnen steht ). Sie haben einen plötzlichen Verhandlungstisch einberufen für den 27.1. und arrangiert, dass die Polizei Kameras postieren und einen der Manager filmen konnte, wie er dem Vermittler einen Umschlag übergibt, während Aldo neben ihm sitzt und mit dem anderen Manager redet. Der Umschlag enthielt 5.000 Euro, die die Polizei fand, nachdem sie den Mann und Aldo wegen "Unterschlagung" festnahmen. Die Anklage: Sie hätten 90.000 Euro gefordet, um weitere Streiks zu verhindern. Das Video, das von der Polizei verbreitet wurde, wurde viral in den Sozialen Medien und im Fernsehen.

Das eigentliche Thema der Verhandlung war die Wiedereinstellung von entlassenen Arbeitern und die Zahlung von Arbeitslosenversicherungsbeiträgen. Es muss noch geklärt werden, ob der Vermittler 90.000 Euro gefordert  und so getan hat als könne er die Kämpfe der SI Cobas abmildern, oder als Gage, um in dem Komplott mitzuspielen. (In dem Video, das von der Polizei als Beweis vorgelegt wurde, hat er, nachdem er das Kuvert entgegengenommen hat zweimal Handschellen darstellend seine Handgelenke gekreuzt.)

Alle Zeitungen, TV Kanäle und Soziale Medien haben die folgende "Nachricht" verbreitet: "ZWEI SI Cobas Anführer wurden verhaftet, weil sie Schmiergelder gefordert haben, um die Arbeiter zu verraten."  MIllionen Leute haben den Polizeifilm gesehen und diese Interpretation gehört. Sogar am Tag danach, als klar wurde, dass der Mann, der das Geld genommen hat, Verbindungen zur Levoni Group hat, und nicht zum SI Cobas, blieben die Schlagzeilen gleich: "Zwei SI Cobas Leute verhaftet".

Obwohl es keine Beweise gibt, dass Aldo MIlani irgendetwas mit dem Inhalt des Umschlages zu tun hatte, und dass Geld, das der Vermittler schon vorher bekommen hatte, auf dessen Konto eingezahlt worden war,  war die Botschaft, die die Medien vermittelten, dass der SI Cobas die Kämpfe der Arbeiter mißbrauche, um Geld zu erpressen dafür, dass sie die Kämpfe beenden. Dieser Angriff ist noch gefährlicher als Polizeistöcke und Tränengas (das letzte Woche verwendet wurde, um einen Streikposten bei Levonis Alcar 1 zu zerstreuen), oder Anzeigen gegen Streikposten, denn es geht dabei darum, das Image moralischer Integrität des SI Cobas und den Sinn der Kämpfe der Arbeiter_innen, die anscheinend dazu da sind, das Gewerkschafter sich bereichern können, zu zerstören. Dabei wird es vermieden zu erwähnen, wie sich die Bedingungen der Arbeiter_innen in den Warenlagern verändert haben, wo sich die Arbeiter_innen mit SI Cobas oder ADL Cobas (einer verbündeten Gewerkschaft) organisiert und ihren Kopf im Kampf erhoben haben. Wir Goebbels gelehrt hat: wenn man Lügen lange genug wiederholt, werden sie in der Massenwahrnehmung zur Wahrheit. 

Der Versuch hat bei den SI Cobas Arbeiter_innen nicht zum gewünschten Erfolg geführt: als die Nachricht sich verbreitete, dass Aldo verhaftet worden sei, haben in Dutzenden Warenlagern die Arbeiter_innen spontan die Arbeit niedergelegt: in Mailand, Piacenza, Turin, Ancona, Rom und anderen Gegenden; der Interporto in Bolgona mit seinen Hunderten Watenlagern wurde blockiert und auch im ADL Cobas organisierte Arbieter_innen im Veneto streikten. Am Freitag gab es eine Demonstration für Aldos Befreiung vor dem Knast in Modena, die am Samstag wieder aufgenommen wurde.

Owohl es keinerlei Beweise gibt, dass Aldo etwas mit der Geldforderung des Vermittlers zu tun haben könnte,  (diese Tatsache würde sofort klar werden, wenn die Polizei die Tonspur des Video freigeben würde), hat der Richter Aldo Milani zwar freigelassen, aber mit der Auflage, dass er seine Heimatgemeinde Mailand, nicht verlassen darf, und der Polizei jede Bewegung außerhalb seiner Wohnung mitteilten muss. Die Anklagen wurde nicht fallen gelassen.

Der Angriff gegen den SI Cobas ist ein Angriff gegen die militante Gewerkschaftsbewegung in Italien und gegen das Streikrecht und gegen Streikposten, die den Transport von Waren und Material blockieren.

SI Cobas wird eine Gegenkampagne starten, um die Medien ihrer Lügen zu überführen das Komplott dieser falschen Anklagen aufzudecken und die Wahrheit zu verbreiten, aber vor allem wird er die Organisierung der Kämpfe der Arbeiter_innen fortsetzen, den Fleischdistrikt eingeschlossen, so dass der Angriff wie ein Boumerang gegen seine Urheber zurückschlägt.

Roberto Luzzi

Exekutivkommittee SI Cobas

(Übersetzung: labournet.tv)