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Protokoll: Produktion und Vertrieb in Selbstverwaltung aufbauen!

Protokoll: Produktion und Vertrieb in Selbstverwaltung aufbauen!

Cinéma Klassenkampf #18, 18. August 2019

Zu Gast waren ein Arbeiter der von der Belegschaft übernommenen Fabrik in Thessaloniki: Vio.Me, ein Arbeiter aus der Teebeutelfabrik Scop-ti bei Marseille, in der die Arbeiter_innen ebenfalls ohne Chefs produzieren.

Ein Kollege von "Gemein & Nützlich" aus Berlin hat über den Versuch seines Kollektivs gesprochen, solche und ähnliche Betriebe durch den Aufbau einer großen Vertriebsstruktur zu unterstützen.

Die Veranstaltung fand statt in Kooperation mit Dr. Pogo Veganladenkollektiv, FAU Berlin, Union Coop // Föderation, das kooperativ e.V., ΣΕ ΒΙΟΜΕ und 1336

 

Geschichte
Vio.Me. wurde 2012 von Arbeiter_innen der bankrotten Unternehmens Filkram gegründet. Bei Filkram wurden Baumaterialien, v.a. Baukleber hergestellt. Es ging 2011 in Konkurs. 2012 wurde es besetzt und 2013 begannen die Arbeiter_innen in Eigenregie ökologische Reinigungsmittel zu produzieren. Es gibt eine Frau und eine Transperson, der Rest sind Männer.

Scop-ti war eine Teebeutelfabrik in Gémenos bei Marseille, die Unilever gehörte. Sie wurde 2010 besetzt, Nach einem 1336 Tage andauerndem Kampf gegen Unilever konnten sich die Arbeiter_innen durchsetzen und 2014 die Scop-ti Genossenschaft gründen. Seit 2015 ist ihr Tee “1336” im Handel. Vor der Übernahme waren es 77 Arbeiter_innen, danach 47, jetzt 42. 3 davon sind Frauen.
 

Vertrieb
Scop-ti hat ca. 100 kleine Läden, die ihren Tee vertreiben, und auf der Webseite https://fraliberthe.fr/ wird ihr Tee vertrieben, der Online Vertrieb macht vereits 20-30% ihres Umsatzes aus. Sie sind aber trotzdem abhängig von einer großen Vertriebsstruktur, um ihren Tee zu verkaufen. Als die Fabrik noch Unilever gehörte, wurden jährlich 2,5 Mrd Teebeute produziert, Scop-ti produziert derzeit 200 Millionen. Die Maschinen also zwar nicht ausgelastet, da sie aber veraltet sind, können nicht verkauft werden. Scop-ti hat Schulden uns hofft sie in 2 Jahren beglichen zu haben.

Vio.Me möchte nichts mit Banken und Großhändlern zu tun haben. “Das wäre wie mit dem Chef zu sprechen.” Sie möchten einen internationalen Kleinvertrieb aufbauen. Ihr Problem ist die Regierung. Sie befürchten, dass die Regierung ihnen den Strom abklemmt und sind auf der Suche nach generatoren. Zudem will der Staat das Gelände auf dem Vio.Me steht versteigern, um die Schulden des Vorgängerunternehmens Filkram zu begleichen. (Tsipras kam nach der Besetzung, um Vio.Me zu besuchen und hat Unterstützung zugesagt, dann aber gar nichts gemacht.)

Löhne & Entscheidungsfindung
Scop-ti: Vorarbeiter verdienen 2.000 Euro, Bandarbeiter 1.600 und Techniker 1.700 Euro. Das wurde in der Vollversammlung beschlossen. Das ist weit weg von den Unilever Löhnen. Letzten Monat haben alle Beschäftigten 1.000 Euro gespendet, um Liquidität zu gewährleisten.
Es gibt keinen Chef, aber einen Generaldirektor. Die Entscheidungen werden in der Vollversammlung getroffen. Jede_r ist für alles verantwortlich, die Arbeiter_innen sind “polyvalent”: das Volumen muss abgearbeitet werden. Alle putzen und sind dafür verantwortlich die Klos zu reparieren.

Bei Vio.me verdienen alle 500 Euro im Monat. Das ist weniger als der Mindestlohn.
Entscheidungen werden auf der allmorgendlichen Versammlung getroffen und beim Plenum, das alle 2 >Monate stattfindet. Bei dem Plenum werden die Leute, die den Vio.Me Laden in Athen betreiben, per Skype dazu geschaltet. Normalerweise sind 90% der Leute anwesend. Beim Plenum wird im Konsens entschieden. Wenn es um die Produktion geht und keine Zeit für lange Diskussionen ist, wird nach dem Mehrheitsprinzip entschieden.

Kontakt zu Gewerkschaften
für Scop-ti war die CGT eine wichtige Unterstützung. Der Dachverband für Lebensmittelbetriebe Alimentaire innerhalb der CGT hat beim Vertrieb geholfen und ihnen Zugang zu Kantinen ermöglicht.

Der Vertrieb Gemein & Nützlich
Der Vertrieb über die Union Coop hat nicht richtig funktioniert und ist jetzt von dem Dr. Pogo Veganladenkollektiv übernomen worden. https://www.union-coop.org/shop/ Die Idee für diesen Vertrieb entstand auf dem Euro Mediterrranean Network Gathering in Thessaloniki
Der Vertrieb sucht Projekte und Gruppen, die größere Bestellungen machen. (Hausprojekte, SoLaWis, FoodCoops etc)
"Wir sehen uns als Teil einer Bewegung von rückeroberten Betrieben unter Arbeiter*innenkontrolle, selbstverwalteten Betrieben, Kollektiven, Basisgewerkschaften und solidarischen Netzwerken. Wir wollen diese Bewegung wirtschaftlich stärken, und den politischen Aspekt kollektiver Arbeit sichtbarer machen." (Gemein & Nützlich Vertriebskollektiv)
Transsport: Es gibt bisher keine relevanten überregionalen alternativen Transportstrukturen außerhalb Berlins. Ausnahme: das Fahrwerk baut eine Transportstruktur zwischen Berlin und Hamburg auf. https://www.fahrwerk-berlin.de/wp/

 

Videos zu den beiden Betrieben auf labournet.tv:

Scop-ti
https://de.labournet.tv/video/6931/1336-tage-hoehen-tiefen-aber-immer-aufrecht
https://de.labournet.tv/video/6107/pot-de-pot-de-fer

Vio.Me
https://de.labournet.tv/die-produktionsmittel-uebernehmen-ein-blick-auf-viome
https://de.labournet.tv/video/6629/viome-selbstorganisation-griechenland
https://de.labournet.tv/video/6521/viome

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