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Beverly Silver: "Das Ende des langen 20. Jahrhunderts"

Beverly Silver: "Das Ende des langen 20. Jahrhunderts"

englisch

|

31 min

| 2011 |

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Input von Beverly Silver im Rahmen einer Konferenz "Transformation im Kapitalismus und darüber hinaus" der Rosa Luxemburg Stiftung am 13. Oktober 2011 in Berlin. Silvers Input trägt den Titel: "Das Ende des langen 20. Jahrhunderts"

Sie beschreibt zunächst die zusammen mit Giovanni Arrighi aufgestellte Therorie der sich ablösenden Akkumulationszyklen. Vom 15. Jahrhundert bis zu Ende des 17. Jahrhunderts  waren es die italienischen Stadtstaaten, die den kapitalistischen Akkumulationszyklus dominierten, vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war der Zyklus holländisch dominiert. Darauf folgte ein Akkumulationszyklus unter britischer Dominanz, der  von Mitte des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts dauerte. Schließlich folgte der US-amerikanische Zyklus, der vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute andauert.

In allen Fällen sieht man, dass die sozialen Bewegungen von unten die Form des jeweils nächsten Akkumulationszyklus bestimmt haben. Der Aufstand auf Haiti und die Sklavenaufstände bestimmen die Natur des britischen Empires; - die Nationalen Befreiungsbewegungen und die Arbeiter_innenbewegung seit Ende des 19. Jahrhunderts bestimmen das Bild des US-amerikanischen Zeitalters.

Dass wir heute wieder in einer Übergangsperiode sind, liegt daran, dass das Entwicklungsprojekt für den globalen Süden gescheitert ist. Dies hat eine ungeheure Menge billiger Arbeit freigesetzt. Einerseits als migrantische Arbeit andereseits auch als Produzentin von billigen Waren.

Die Ära der billigen Arbeit wird aber bald vorbei sein,  so Silver, da es in China eine lange Tradition von Arbeiter_innenprotesten gibt und auch die Innenpolitik seit 2004 sich verändert und die Politik des Wachstums um jeden Preis aufgibt. 

Das grundsätzliche Problem, das Silver sieht, ist, dass der kapitalistische Produktionsprozess die Reproduktionskosten vor Natur und Menschen immer mehr externalisiert und dass der Kapitalismus auch nicht in der Lage ist, diese Kosten zu internalisieren. Wenn es daher darum geht eine Welt zu haben, in der das Auskommen der Menschen gesichert ist, so kann dieses Ziel nicht innerhalb eines neuen kapitalistischer Akkumulationszyklus verwirklicht werden. Wir müssen uns also überlegen, wie alle Menschen ein Auskommen haben können - ohne Kapitalismus. 

team: Rosa Luxemburg Stiftung

Tags: marxismus, krise

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