Zu früh / Zu spät

Zu früh / Zu spät

trailer! |  diverse sprachen | 3 min | 1982 | hits: 1.426

Film von Danièlle Huillet und Jean-Marie Straub über Revolutionen in Frankreich und Ägypten. Mit Texten von Friedrich Engels und Mahmoud Hussein.

Zu sehen sind zumeist lange statische Bilder von Äckern, Dörfern und Wiesenstücken in Frankreich und Ägypten. In Frankreich sind die Bilder mit einem im Off vorgelesenen Brief von Friedrich Engels unterlegt, in dem er mit Zahlen belegt, wieviele Menschen am Vorabend der französischen Revolution in einzelnen Dörfern Frankreichs verhungert sind. Gefilmt sind die jeweils im Off-text  erwähnten Dörfer.   

In Ägypten sind es Auszüge aus Mahmouth Husseins "Klassenkämpfe in Ägypten" über den Widerstand der Bauern gegen die englische Besatzung bis zur Revolution 1952.

„Im Juni 1980 sind die Straubs aufgebrochen, um vierzehn Tage lang auf dem Land in Frankreich zu drehen... Ihre Idee war, eine Anzahl Orte, die in einem Brief von Engels an den zukünftigen Renegaten Kautsky erwähnt werden, so aufzunehmen, wie sie heute sind. In diesem Brief (im Off gelesen von D.H.) beschreibt Engels, unter Zuhilfenahme von Zahlen, den elenden Zustand der Ländereien am Vorabend der Französischen Revolution. Die Orte haben sich, wie nicht anders zu erwarten, verändert. Und der erste Eindruck ist der: sie sind ausgestorben. Das Land in Frankreich, sagt Straub, hat einen 'Aspekt Science-fiction, verlassener Planet'... 

Im Mai 1981 sind die Straubs in Ägypten und nehmen andere Landschaften auf. Die Vorlage liefert diesmal nicht Engels, sondern ein Marxist von heute, Mahmoud Hussein, Autor des Buches Klassenkämpfe in Ägypten, das vor einiger Zeit Aufsehen erregte. Wieder im Off liest die Stimme eines arabischen Intellektuellen auf französisch (mit Akzent) den Text über den Widerstand der Bauern gegen die britische Okkupation bis hin zur „kleinbürgerlichen“ Revolution von Naguib 1952. Wieder einmal erheben sich die Bauern zu früh und kommen, als es um die Macht geht, zu spät. Dieses obsedierende Verhältnis ist der „Inhalt“ des Films. Wie ein musikalisches Motiv erscheint es ganz zu Beginn: ‚daß die Bourgeois hier wie immer zu feig waren, für ihre eigenen Interessen einzustehen, daß von der Bastille an der Plebs alle Arbeit für sie tun mußte’ (Engels).“

(Serge Daney, Libération, 20.2.1982, Übers.: Johannes Beringer)

 

Über Hussein el-Shafei Filmkritik von Jonathan Rosenbaum (englisch)

team: Danièle Huillet/Jean-Marie Straub