Über uns

Über uns

labournet.tv ist ein lebendiges audiovisuelles Archiv der Arbeiter_innenbewegung. Es versteht sich als Teil einer Bewegung, die an einer grundlegenden Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse interessiert ist. Mit den Mitteln des Internets soll der Erfahrungsaustausch, Lernen aus den Kämpfen der Vergangenheit und Solidarität gefördert werden. Dafür wird aktuelles und historisches Filmmaterial aus allen Teilen der Welt zusammengetragen. Im Zentrum steht die Situation der Lohnarbeiter_innen, ihre (Selbst-) Organisierung, Arbeitskämpfe und Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Alternativmodelle. Zu aktuellen Anlässen produziert labournet.tv auch eigene Beiträge, um Auseinandersetzungen und die Perspektive der Lohnabhängigen darauf sichtbar zu machen.

„ein wichtiger zweck der herrschenden medien
ist das zerschlagen krummlügen ausverschlampen
unsrer klassengeschichte“
(christian geissler)

Filme, die die Perspektive der Arbeiter_innen einnehmen und sie zu Wort kommen lassen, transportieren wichtige Erfahrungen. Was bislang nur schwer auffindbar ist, etwa auf kommerziellen Videoplattformen oder in unzugänglichen Filmarchiven, soll auf labournet.tv konzentriert gesammelt werden.

labournet.tv ist ein Angebot für die emanzipative Bildungsarbeit. Es wendet sich an die, deren Kämpfe abgebildet werden, an gewerkschaftlich Aktive, politische Gruppen, Lehrer_innen und ihre Schüler_innen und allgemein Interessierte. Das Internetportal soll als Brücke dienen zwischen den Nutzer_innen und jenen Menschen, von denen die Filme handeln: streikende Belegschaften, kriminalisierte Gewerkschaften oder informelle Arbeiter_innen.

Die Seite hat derzeit einem Umfang von ca. 600 Filmen und wird kontinuierlich erweitert. Die Filme werden nach den Kategorien „Branchen“, „Länder“, "Kampffelder“ und „Umwälzung“ sortiert. Die meisten der verzeichneten Filme können in voller Länge auf der Seite angeschaut werden und sind mindestens deutsch untertitelt.
Wenn Lizenzrechte einer Veröffentlichung auf der Seite entgegenstehen, findet sich ein Hinweis darauf, wo der Film käuflich erworben werden kann. Die Nutzer_innen können zudem über die Seite Kontakt zu den Filmemacher_innen aufnehmen.
Alle können von überall aus die Filme online in weitere Sprachen untertiteln. Bei Interesse bitte eine Mail an info [at] labournet [dot] tv

LabourNet ist ein internationales Netzwerk, das seit den 1990er Jahren das Internet für die Stärkung und den Aufbau gewerkschaftlicher Organisation nutzt. LabourNet und seine Schwesterorganisationen sind in den USA, Großbritannien, Korea, Japan, der Türkei und in Österreich aktiv, „um für die Arbeiterbewegung Kommunikation, Nachrichten und Information bereitstellen zu können“, wie es in der Selbstdarstellung von LabourNet heißt.
labournet.tv arbeitet eng mit dem Labournet Germany zusammen. Die Kooperation vertieft für die Nutzer die thematischen Einblicke und soll die öffentliche Wahrnehmung von aktuellen Arbeitskonflikten und Kampagnen verbessern.

labournet.tv ist ein Projekt von kanalB/Content e.V. und wird gefördert von der Stiftung Menschenwürde und Kommunikation in der Arbeitswelt.

Wir sehen es als wichtigen Teil unserer Arbeit an, Arbeiter_innenkämpfe zu dokumentieren, dabei den beteiligten Arbeiter_innen eine Stimme zu geben und so eine systematische Lücke in der Mainstream Berichterstattung zu schließen.

Deshalb sind wir im Juni 2013 nach Istanbul gefahren, um davon zu berichten, welche Rolle Arbeiter_innenkämpfe in der Gezi-Park Bewegung gespielt haben. letzten Winter haben auch den Streik im Einzelhandel in Berlin dokumentiert, indem wir mehrmals die von Flexibilisierung ihrer Arbeitszeiten bedrohten Streikenden getroffen und interviewt haben. Im Februar 2014 konnten wir nach Bosnien fliegen und den Kampf der Arbeiter_innen von Tusla dokumentieren, deren Proteste den Aufstand im ganzen Land ausgelöst haben.

Um die Kosten für die Dreharbeiten zu decken, sind wir auf Spenden angewiesen. Der Verein kann Spendenquittungen ausstellen. Danke für Eure Hilfe!

Spenden bitte an:
Content - Verein zur Förderung alternativer Medien e.V.
IBAN: DE82100100100006814102
BIC: PBNKDEFF
Stichwort: Dokumentieren

http://www.freitag.de/politik/1104-bewegte-erfahrung

Bewegte Erfahrung

Es gibt sie durchaus, die Kämpfe: Das Portal labournet.tv sammelt Filme über die kleinen Streiks und den großen Mut von Beschäftigten - und will andere zum Handeln inspirieren

Als Michael Sommer unlängst gefragt wurde, warum von den Gewerkschaften so wenig zu hören ist, reagierte der DGB-Vorsitzende ziemlich angefasst. „Vielleicht haben Sie Ihre Lauscher in die falsche Richtung gestellt? Ich finde, wir sind gut drauf“, antwortete Sommer. Im Übrigen seien die Gewerkschaften „nicht die Polterer der Nation“. Was der Dachverbandschef nicht sagt: Auch in den DGB-Organisationen halten viele die Zurückhaltung der Zentralen ausgerechnet in einer Zeit der politischen Auseinandersetzungen um die Verteilung der Krisenlasten für fatal. Statt die Kanzlerin zu Machtworten aufzufordern, wie es Sommer gerade mit Blick auf den Streit um die Hartz-Reform getan hat, hätte man sich ein aktiveres Eingreifen der Gewerkschaften gewünscht. Und bei aller Rücksicht auf Mobilisierungsprobleme, unterschiedliche Interessen zwischen Beschäftigtengruppen und gegenüber Erwerbslosen sowie auf die strategische Defensive des DGB-Lagers in den vergangenen Jahren: Wenn Sommer davon spricht, dass „es trotz massiver sozialer Proteste bisher nicht gelungen“ sei, die „Politik der Regierung zu verändern“, muss schon die Frage erlaubt sein, ob es nicht der DGB-Vorsitzende selbst ist, dessen Lauscher in die falsche Richtung stehen. Wo bitte sehr hat es denn massive Proteste gegeben?

Was auf der anderen Seite oft zu wenig Beachtung findet, sind die Kämpfe vor Ort, die betrieblichen Streiks abseits der großen Schlagzeilen, jene Geschichten vom kleinen Widerstand. Dass es darüber inzwischen viele filmische Zeugnisse gibt, die Verbreitung verdienen und aus denen sich lernen lässt, stand am Beginn einer Idee, die an diesem Sonntag online geht: labournet.tv. Filme, welche die Perspektive von Beschäftigten einnehmen und sie direkt in ihren Auseinandersetzungen zu Wort kommen lassen, „transportieren wichtige Erfahrungen“, heißt es bei den Machern des Portals. Doch solche Filme sind bislang nicht ohne Weiteres auffindbar – labournet.tv will sie nun sammeln und kostenlos zugänglich machen.

Zum Auftakt ist am Sonntag in Berlin – ganz klassisch im Kino – die Geschichte von drei FIAT-Arbeitern gezeigt worden, die gegen die weitere Anhebung des schon unerträglichen Arbeitstempos gestreikt hatten und die deshalb entlassen wurden. 107 Sekunden – Arbeiter des Südens macht die Spannung sichtbar zwischen Erpressung durch das Management auf der einen und die Angst vor der Erwerbslosigkeit auf der anderen Seite.

30.01.2011 15:08 | Tom Strohschneider

 

http://www.neues-deutschland.de/artikel/189532.filmarchiv-der-arbeiterbewegung.html

Gewerkschaftliches Filmarchiv der Arbeiterbewegung

Labournet in bewegten Bildern – linke Internetplattform baut aus

Am Sonntag geht ein neues Film- und Medienprojekt online. »Labournet.tv« ist Teil der kritischen Internetplattform Labournet. Filme und Videos sind heute bei der Mobilisierung zu Demonstrationen und Protesten der unterschiedlichen Art nicht mehr wegzudenken. Mit dem Projekt labournet.tv, das am kommenden Sonntag startet, soll ein audiovisuelles Archiv der Arbeiterbewegung geschaffen werden.

Das Projekt ist Teil der Internetplattform Labournet, die sich seit 1999 als »Treffpunkt für Ungehorsame mit und ohne Job« für die Stärkung gewerkschaftlicher und sozialer Gegenmacht einsetzt. »Bei Labournet.tv sollen Videos und Filme zu den bei uns dokumentierten aktuellen Berichten über soziale Kämpfe in aller Welt ins Netz gestellt werden«, erklärt Mag Wompel von Labournet gegenüber ND. »Über Filme lassen sich globale Zusammenhänge der Ausbeutung und der Gegenwehr veranschaulichen«, betont Bärbel Schönafinger. Die Berliner Kulturwissenschaftlerin und Filmemacherin betreut das von der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt mit einer halben Stelle geförderte Projekt Labournet.tv. Die Gliederung auf der Webseite des Filmarchivs ist sehr übersichtlich und benutzerfreundlich. Der virtuelle Besucher kann unter dem Obertitel »Branchen« die unterschiedlichsten Berufssparten von Bergbau über Fischerei und Landwirtschaft, Transport und Logistik anklicken und findet dort die entsprechenden Filme und Videos. Nicht nur über die klassische Lohnarbeit, auch über migrantische und prekäre Beschäftigungsverhältnisse sowie über Kämpfe auf dem Feld der Reproduktionsarbeit finden sich Beiträge. Bärbel Schönafinger legt großen Wert auf die Präsentation unterschiedlicher filmischen Positionen aus den verschiedenen sozialen Kämpfen. So ist unter der Rubrik »Erwerbslosenbewegung« neben kurzen Videoclips über Zahltags- und Begleitaktionen in verschiedenen Jobcentern der Republik auch der 1988 gedrehte Film »Einstweilen wird es Mittag« über den Alltag von Menschen ohne Lohnarbeit aufgelistet. In dem ebenfalls archivierten Film »Vorsicht Arbeit« von 2004 kommen 12 Erwerbslose zu Wort, die sich ein Leben ohne Lohnarbeit wünschen. Auf Labournet.tv sollen auch heute oft nur schwer zugängliche Filme aus der Geschichte der Arbeiterbewegung zu finden sein – sofern das Urheberrecht es zulässt. »Bei den vielen Filmen, für die es keine Abspielrechte gibt, können wir nur auf im Handel befindliche DVD oder VHS hinweisen«, so Schönafinger. Zwei internationale Klassiker der Filmgeschichte der Arbeiterbewegung sind allerdings öffentlich zugänglich und werden ab kommenden Sonntag in voller Länge auf labournet.tv zu sehen sein. Es handelt sich um »Streik« des sowjetischen Regisseurs Sergej Eisenstein und um den Film »Salz der Erde«, der einen Arbeitskampf mexikanischer Migranten in einer Zinnmine in den USA der frühen 50er Jahre zum Thema hat. Sämtliche dokumentierten Filme und Videos sind mit deutschen Untertiteln versehen.

Zum Start des Projekts lädt Labournet.tv am 30. Januar um 11 Uhr zum Lunch in das fsk-Kino am Segitzdamm 2 nach Berlin-Kreuzberg. Dort wird auch der Film »107 Sekunden – Arbeiter des Südens« über drei Fiatarbeiter gezeigt. de.labournet.tv

Von Peter Nowak 28.01.2011

 

 

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/? ressort=wu&dig=2011/02/05/a0162&cHash=2ab68af978

Mit Lady Gaga für die Krankenversicherung

Mit dem Internetportal labournet.tv hat die Gewerkschaftslinke jetzt ein Onlinearchiv aufgebaut. Es sammelt Filme über Arbeitsbedingungen und Auseinandersetzungen in aller Welt BERLIN taz  

Natürlich ist die Musik geklaut. Aber darauf kommt's nicht an, als die Blechbläser mitten in der Lobby des Westin St. Francis Hotels in San Francisco plötzlich lostrompeten, vermeintliche Hotelgäste aufspringen und lostanzen - zum Sound und der Choreografie von Lady Gagas "Bad Romance". Nur der Text geht anders: "Oh no, don't get caught in a bad hotel." Lass dich nicht in einem schlechten Hotel erwischen. "Boycott this hotel. Boycott! Boycott!" Die Angestellten des Westin und anderer Hotels kämpfen für "faire Verträge und eine bezahlbare Krankenversicherung". Der Flashmob fand im Mai 2010 statt. Von so etwas erfahre man aus den Medien nur, "wenn der Konflikt eine bestimmte Schwelle überschreitet", sagt die freie Filmemacherin Bärbel Schönafinger. Dabei gebe es sehr oft Videos oder Filme, die dem Protest dokumentierten. Und ab sofort sollen diese auch gut zu finden sein: auf http://de.labournet.tv.

Labournet.tv ist die jüngste Initiative des LabourNet, eines Netzwerks, das seit den 1990er Jahren die internationale Gewerkschaftslinke vernetzt. Schönafinger ist hier Redakteurin und sammelt die Beiträge über Arbeitskämpfe und Arbeitsbedingungen. "Es gibt zu wenig Informationen aus dem Arbeitsleben", sagt sie. "Dabei werden in den Betrieben ständig Kampferfahrungen gemacht, mit jedem Streik, mit jeder Auseinandersetzung über Pausenzeiten, Kantinenessen, Arbeitsverdichtung."

Gefördert wird das Projekt von der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt. Bis jetzt umfasst das Archiv rund 250 Beiträge aus 24 Ländern - vom Anderthalb-Minuten-Clip bis zu abendfüllenden Spielfilmen, sortiert nach Ländern, Branchen und "Kampffeldern". Denn labournet.tv will nicht nur Arbeitskämpfe in klassischen Industriebranchen begleiten, sondern interessiert sich genauso für prekäre, migrantische und auch Reproduktionsarbeit. So finden sich Beiträge wie "Deconstructing Foxconn" (2011) über die Selbsttötungen von Beschäftigten des weltgrößten Elektronikherstellers in China neben "Großer Aufwasch im Subunternehmen" (2010), in dem es um westafrikanische Migrantinnen geht, die als Leiharbeiterinnen in Marseille Zimmer putzen und in ihrem Kampf gegen unmenschliche Akkordzeiten von einem kauzigen Altherren-Solidaritätskomitee unterstützt werden. Fast alles ist kostenlos zugänglich. Nur wenn Lizenzrechte dem entgegenstehen, wie etwa bei "Navigators" (2001), Ken Loachs Spielfilm über die Privatisierung der britschen Bahn, sieht man nur einen Trailer - plus Hinweis, wo man den Film bekommt. Ob ein Beitrag aufgenommen wird, entscheidet die Redaktion danach, ob er "einen emanzipatorischen Anspruch" hat, also "den LohnarbeiterInnen auf Augenhöhe" begegnet, sagt Schönafinger. Außerdem müsse er auch "handwerklich gut gemacht sein". Allerdings bedeuten diese Ansprüche nicht notwendigerweise, dass die Filme auch journalistischen Kriterien genügen. Manchen Dokumentarfilmen fehlen ganz grundlegende Informationen. Dann fällt es schwer, nur anhand der Aussagen der befragten Beschäftigten und Gewerkschafter nachzuvollziehen, um was genau sich der Konflikt dreht. Und manchmal nimmt auch die Agitation überhand. Dann überlagern Sätze wie: "Der Kampf ist nicht nur für uns, sondern gegen das Unrecht, das gegen die ganze Arbeiterklasse gerichtet ist", eigentlich spannende Geschichten wie die über den Hungerstreik von Leiharbeitern bei der deutschen Volkswagen AG 2009.

BEATE WILLMS

 

 

http://jungle-world.com/artikel/2011/06/42608.html

Arbeiterkino

»Labournet« ist das neue Youtube für ­Arbeiterkämpfe.

VON JÜRGEN KIONTKE

Ein Flashmob im Westin St. Francis Hotel, San Francisco: Mit einer umgedichteten Version von Lady Gagas »Bad Romance« unterstützt eine Gruppe Aktivisten einen Boykott, den die Hotel- angestellten selbst ausgerufen haben. Denn die hätten gern eine bezahlbare Gesundheitsvorsorge, die ihnen vom Unternehmen aber versagt bleibt. Das lässt sich die Gewerkschaft nicht bieten und singt: »Don’t get caught in a bad hotel.« Solche Videos konnte man bisher bei Youtube finden, wenn man wollte. Nun aber gibt es auch noch ein eigenes großes Archiv solcher Filme über soziale Auseinandersetzungen. Die unabhängige Homepage Labournet, die bisher Berichte aus aller Herren Länder zum Thema Arbeitskampf sammelte und veröffentlichte, stellt nun solche und andere Beiträge von sozialen Kämpfen ins Netz und nennt das Ganze »Labournet.tv«. Zunächst umfasst das Archiv 250 Filme; sie sind nach Kategorien wie Ländern, Branchen und Themen sortiert. Die meisten sind kostenlos abrufbar. Wo dies nicht möglich ist, weil zum Beispiel Urheberrechte verletzt werden, findet sich immerhin noch die Kontaktadresse des Verleihers. »Aktualität hat Vorrang«, sagt Bärbel Schönafinger, Filmregisseurin mit Schwerpunkt Soziales und Redakteurin der Seite. Filme über gerade laufende Auseinandersetzungen würden bevorzugt behandelt – Kamera an und los geht’s. Diese Aktualität bedingt leider auch, dass es manchmal mit der Qualität hapert. Oft dominiert ein stark agitatorischer Ton, und nicht überall sind die Informationen so schön komprimiert wie in der »Bad Hotel«-Performance. So lässt ein Video über die aktuellen Auseinandersetzungen bei Fiat in Italien zwar die Beteiligten zu Wort kommen, allerdings fehlen zentrale Hinweise, worum es bei den Streitigkeiten überhaupt geht. Es gibt jedoch auch sehr gute, strukturiertere Beiträge. »Teuer produzierte Streifen«, die jeden emanzipativen Ansatz vermissen lassen, werden hingegen nicht berücksichtigt. Schönafinger sagt: »Die Filme sollen zeigen, dass es sinnvoll ist, sich zusammenzutun, sich für die eigenen Interessen einzusetzen und sich von scheinbar übermächtigen Gegnern nicht einschüchtern zu lassen.«

 

 

http://www.jungewelt.de/2011/03-04/047.php

»Wir sammeln Filme aus der Perspektive des Widerstands«

Labournet.tv dokumentiert historisches und aktuelles Material zum Arbeitskampf in Betrieben. Ein Gespräch mit Bärbel Schönafinger

Interview: Gitta Düperthal

Bärbel Schönafinger ist Dokumentar­filmerin und Redakteurin des neuen audio­visuellen Archivs www.­labournet.tv

Seit einem Monat präsentiert labournet.tv im Internet ein Archiv mit Filmen aus der Perspektive von Arbeiterinnen und Arbeitern, um Ausbeutung und Gegenwehr aufzuzeigen. Welche Reaktionen gibt es auf das neue Internet-Archiv?

Wir haben gute Resonanz. Viele haben darauf gewartet, daß wir endlich online gehen und internationale Filme zeigen, die vom Widerstand in Betrieben handeln. Vergangenen Monat hatten wir den 60minütigen Film »107 Sekunden – Arbeiter des Südens« auf der Startseite. Er handelt von drei entlassenen Arbeitern, Giovanni, Antonio und Marco, die verschiedene Fiat-Fabriken in Süditalien besuchen, und wurde fast 3000 mal angeschaut. Das zeigt, daß viele Kolleginnen und Kollegen wissen wollten, wie es mit den Streiks gegen die Anhebung eines bereits unerträglichen Arbeitstempos bei Fiat weitergeht. Seit dem 1. März steht auf unserer Startseite ein Film über die Parlamentsbesetzung in Wisconsin. Dort protestieren Arbeiter und Studierende dagegen, daß der Gouverneur von Wisconsin, Scott Walker, das Recht der Gewerkschaften auf Tarifverhandlungen abschaffen will. Wir sammeln diese internationalen Filme und archivieren sie, damit sie nicht auf Youtube in der Masse untergehen. Denn so würden auch Kenntnisse über den globalen antikapitalistischen Widerstand der Arbeiterbewegung verloren gehen. Wir schaffen es zwar nicht, tagesaktuell Filme online zu stellen, versuchen aber an wirklich wichtigen Bewegungen dranzubleiben. Gestartet sind wir mit 250 Filmen und Videoclips.

Welche Dokumentationen würden Sie hervorheben?

Wichtig sind uns unter anderem historische Filme. »Salt of earth« von 1954 zum Beispiel. Das ist ein Streifen, der frei verfügbar ist, so daß wir ihn in voller Länge zeigen können. Es ist ein klassischer Streikfilm aus den USA der 50er Jahre: Die Frauen der Arbeiter beteiligen sich an deren Streik, was schließlich dazu führt, daß sie dann auch gegen die Unterdrückung durch ihre Ehemänner revoltieren.

Was unterscheidet labournet.tv vom Streik-TV der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di?

So ziemlich alles. Im Gegensatz zu Streik-TV gibt es bei uns nur einen kleinen Anteil von selbst gemachten Reportagen. Bei uns geht es außerdem darum, daß die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Filmen selber das Wort ergreifen, nicht die Gewerkschaftsfunktionäre. Wir wollen ein Archiv aufbauen, um Filme, die es bereits aus der Perspektive des Widerstands gibt, der Arbeiterbewegung wieder zugänglich zu machen. Damit diese Kraft daraus schöpfen können.

Handelt es sich zum großen Teil um gewerkschaftskritische Filme?

Wenn sich Gewerkschaften gegen die Interessen der Arbeitnehmer richten, kritisieren wir das. In mehreren Filmen, die längere Streiks zeigen, spitzt es sich am Ende in dieser Weise zu.

Zeigt labournet.tv hauptsächlich Videofilme von Aktivisten oder auch professionelle Dokumentarfilme?

Zum Großteil zeigen wir Filme von Aktivisten. Wir haben folgendes Modell: Bei uns können Filme in voller Länge laufen, aber auch nur ausschnittsweise. Wenn ein professioneller Filmemacher einen neuen Film gemacht hat, wird er ihn uns kaum zur Verfügung stellen, wohl aber als Ausschnitt, mit Verweis darauf, wo die DVD zu erwerben ist.

Wie ist das Projekt finanziert?

labournet.tv ist ein Projekt vom Internetfernsehen »kanalB« und wird von der privaten Stiftung Menschenwürde und Kommunikation in der Arbeitswelt gefördert. Sie finanziert eine halbe Stelle für die Redaktionsarbeit, die ich innehabe. Zusätzlich gibt es einen Betrag für die deutsche Untertitelung der Filme, die auf unserer Seite laufen. Für Autoren steht leider kein Geld zur Verfügung.

Was motiviert Sie zu dieser Arbeit?

In Filmen sind wertvolle Erfahrungen von Menschen gespeichert, die sich aufgelehnt haben, um das Arbeitsleben erträglicher zu gestalten – die dürfen nicht verlorengehen. Unser Ziel ist, daß diese Filme die Arbeiterbewegung neu befruchten. Wir wollen darauf aufmerksam machen, daß in diesem ökonomischen System ständig Druck auf Arbeiterinnen und Arbeiter ausgeübt wird. Es würde uns freuen, wenn uns auch Leserinnen und Leser der jungen Welt Hinweise auf versteckte oder vergessene Filme per Mail unter info [at] labournet [dot] tv mitteilen.

 

http://www.zeitpunkt.ch/news/artikel-einzelansicht/artikel/labournet-chr...

"Labournet" - Chronisten des Aufstands

Die Plattform «labournet.tv» wurde eigens gegründet, um Widerstandsaktionen der Werktätigen aus aller Welt zu dokumentieren.

Von: Roland Rottenfusser

Wenn man die Nachrichten verfolgt, kann man schon mal depressiv werden. Auf die Zumutungen der Politik und der Konzernlenker scheinen die Arbeitenden keine angemessene Reaktion zu finden. Die Gewerkschaften agieren halbherzig und verzagt. Dieser Eindruck trügt aber – und dies ist auch die Schuld der Medien, die einseitig selektieren. Bilder von Revolten und Streiks (und gar von erfolgreichen!) könnten das Volk ja auf dumme Gedanken bringen. Die Plattform «labournet.tv» wurde eigens gegründet, um Widerstandsaktionen der Werktätigen aus aller Welt zu dokumentieren. Abseits der «grossen» Kampagnen der Gewerkschaften gibt es oft lokale und spontane Aufstände, die in Filmaufnahmen festgehalten sind. Aus der Schweiz wird etwa ein Streik der Arbeiter von SBB Cargo gegen die Privatisierung des Güterverkehrs (2008) gezeigt. Deutsche FIAT-Arbeiter lehnen sich gegen die Anhebung des vorher schon unerträglichen Arbeitstempos auf. Ausländische Reinigungsarbeiterinnen in Marseille kämpfen für ihre Rechte. In Südafrika organisieren sich Farmarbeiter gegen zu geringe Löhne. Beispiele, die ansteckend wirken – was von den Betreibern von "labournet.tv" durchaus beabsichtigt ist.

labournet.tv

Donnerstag, 09. Juni 2011